04.03.2011

VON FREUDENTHAL
          NACH GROSS-SCHAM
200 Jahre seit der Umsiedlung der Freudenthaler nach Gross-Scham.

von Johann Mayer
           
Freudenthal
Mit großen Erwartungen, voller Hoffnung und Zuversicht sind unsere Vorfahren im Jahre 1786 aus ihrer alten Heimat aufgebrochen und mit den Ulmer Schachteln die Donau abwärts gefahren, um in dem gelobten Land Banat eine neue Heimat und eine bessere Zukunft zu finden. Und sie kamen aus dem damaligen Deutschen Reich, diesseits und jenseits des Rheins, aus dem Schwarzwald, dem Rheinland und aus dem Elsaß, aus Lothringen und Luxemburg. Es war die Zeit der

Josephinischen Ansiedlung, also des Dritten Schwabenzugs. Die Versprechungen in dem kaiserlichen Aufruf waren groß und verlockend: Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit, jeder Familie ein Haus, den Bauern Grund und Boden, den Handwerkern Hausgeräte und Barmittel,  Steuer- und Abgabenfreiheit und andere Privilegien. Freudenthal war das große Ziel. Es lag etwa 3 km östlich von Gross-Scham. Bei der Ankunft der neuen Bewohner  waren aber nur 30 Häuser fertig. Die Menschen mussten bis zur Fertigstellung der Häuser anderweitig untergebracht werden. Als die Baumaßnahmen abgeschlossen waren, hatte Freudenthal 152 Häuser. In der Mitte des Dorfes  auf einem freien Platz stand die Kirche, ein bescheidenes, aus Brettern gebautes Gotteshaus. Der erste Seelsorger von Freudenthal war Ivo Oser, danach vorübergehend Josef Greschl, anschließend Laurentius Fritsch, Valentin Terbouschek und Georg Zemanovics. Auf dem freien Platz befand sich auch  das Schulgebäude. Der erste Lehrer in Freudethal war Georg Mage aus Lothringen, danach folgten Josef Weihrauch aus Regensburg, Adalbert Hadaly, Stefan Mengay und Wilhelm König aus Bruckenau. 1799 – also 13 Jahre nach der Ansiedlung -  gab es bereits 99 schulpflichtige Kinder.
Das Sanitätswesen war in der Anfangszeit in Freudenthal unzulänglich, wurde aber dann dem damaligen Stand entsprechend eingerichtet, es gab einen Feldscher und ein Hebamme.
Die Bewohner von Freudenthal befassten sich hauptsächlich mit Ackerbau, aber auch der Weinbau war damals schon nicht unbedeutend. Zahlreiche Handwerker waren im Dorf vertreten.
Von Anfang an stießen die neuen Bewohner auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten: Die Gefahr der Überfälle durch die Türken war noch nicht gebannt, außerdem wurden sie durch die einheimischen Bevölkerung aus Lazunasch und auch aus Groß-Scham bedroht, teilweise kam es sogar zu Plünderungen. Das schwerwiegendste Problem allerdings war das fehlende Trinkwasser. Das hat einige der ersten Siedler veranlasst, das Dorf wieder zu verlassen. Die Freudenthaler haben sich in ihrer Not an die Kameralbehörde gewandt mit der Bitte, an einen geeigneteren und sicheren Ort umsiedeln zu können. Dieser Bitte wurde im Jahre 1809 stattgegeben. Die Freudenthaler durften noch im selben Jahr nach Groß-Scham umziehen.

Groß-Scham
Zur Lage: Groß-Scham liegt 70 km  südlich von Temeswar und 20 km nördlich von Werschetz, 2 km von der heutigen serbischen Grenze entfernt, auf einer Höhe von 103 m ü.d.M (Adria). Man kann mit Recht behaupten, dass bei Groß-Scham die Trennungslinie zwischen der Banater Ebene und dem Banater Bergland verläuft. Einige Kilometer in Richtung Orawitz beginnt bereits das Hügelland, im Süden befinden sich die Werschetzer Berge.
Historisch war Groß-Scham von geringer Bedeutung. Es gab einige Funde aus der Römerzeit, z.B. einen Stein mit der Inschrift Leg. III, was zu der Annahme führt, dass hier einmal Teile der III Legion stationiert waren.  Desgleichen fand man einige Kupfermünzen aus der Zeit der Karolinger im  IX Jahrhundert. Diese befinden sich im staatlichen Museum in Budapest.
Gross-Scham wurde urkundlich erstmals 1370 erwähnt. Bei einer Versammlung des Adels, die der Palatin Ladislaus abhielt, kam der Name Soma (Schoma) vor. Schoma oder Schuma kommt aus der serbischen Sprache und bedeutet soviel wie Wald. Daher wird angenommen, dass die Gegend von Gross-Scham bewaldet war und die Einwohner damals Serben waren, denn auch andere Namen aus der Gegend wie Crivaia oder Visoca Rudar sind serbischen Ursprungs.  1374  erscheint als Besitzer  Dionisius de Sama. In der Türkenzeit finden wir nur spärlich Nachricht von Groß-Scham. Nach der Rückeroberung von Temeswar durch Prinz Eugen wird Groß-Scham mit einem Bestand von 67 Häusern erwähnt, bei den Bewohnern handelte es sich damals allerdings bereits um Rumänen. Es wird angenommen, dass die Serben aus Groß-Scham sich in Groß-Sredischte niedergelassen hatten. Schließlich sei noch erwähnt, dass am 13. Mai 1773, bei seiner Reise durch das Banat, Kaiser Josef  auf dem Weg von Temeswar nach Werschetz auch durch Groß-Scham kam.

Von Freudenthal nach Groß-Scham
Nachdem nun die Kameralbehörde beschlossen hatte, die Deutschen aus Freudenthal nach Groß-Scham über-  und die Rumänen von Groß-Scham umzusiedeln, erhielten die Rumänen die Erlaubnis, sich im südlichen Banat an der Alibunarer Straße, in der Gegend von Pantschowa, niederzulassen, wo sie das Dorf Petrovoselo gründeten. 121 rumänische Familien sind mit ihrer Habe aus Groß-Scham abgewandert. Zurückgeblieben sind 16 Familien, darunter die Familien  David, Samant, Gavrila und Musta, deren Namen noch heute in Groß-Scham zu finden sind.
Am 18. Juni um 9 Uhr - es war der Fronleichnamstag 1809 - zogen die Freudenthaler in einer großen Prozession mit Pfarrer Georg Zemanovics an der Spitze nach Groß-Scham und nahmen somit ihre neue Heimstätte offiziell in Besitz. Und hiermit beginnt die Geschichte  der deutschen Gemeinde Groß-Scham. Felix Milleker  schreibt zwar  in seiner „Geschichte der Gemeinde Nagy-Zsam“, dass am 18. Juni 1809 die Unsiedlung abgeschlossen war, was man aber nicht so wörtlich nehmen sollte. Aus den Kirchenbüchern ist nicht eindeutig zu entnehmen, wann Freudenthal aufgehört hat und wann Groß-Scham begonnen hat.
Unser Dorf hatte bei der Besiedlung im Jahre 1809 805 Einwohner, verteilt auf 264 Häuser, die auf beiden Seiten des Schemitza- Baches lagen. Die Kirche lag in der Mitte des Dorfes. Es war die von den Rumänen zurückgelassene Kirche, die bereits ein Jahr später zu klein geworden war, weil die Bevölkerung bereits auf 1433 Personen angewachsen war. Dechant Johann Nepomuk Kreutzer aus Werschetz verlangte von seinem Bischof eine größere Kirche und die Übergabe der Wohnung des Gutsverwalters an die Pfarrei, um dem Pfarrer eine geeignete Wohnung zur Verfügung stellen zu können. Die Pfarrei bekam die Wohnung, es ist das heutige Pfarrhaus der Gemeinde. Was die neue Kirche betrifft, so schreibt Pfarrer Zemanovics im Taufregister: Am 18.06.1812 wurde Katharina Weinhardt als erstes Kind in der neuen Kirche getauft. Der alte Friedhof befand sich nördlich des Dorfes, etwa dort, wo heute der große Viehbrunnen steht. Dieser wurde aufgelassen und der neue Friedhof wurde auf die südliche Seite verlegt und im November 1809 eingeweiht.
Im Jahre 1816 trat der Schemitza-Bach über die Ufer und es gab eine große Überschwemmung, bei der von 82 Häusern rechts des Baches 68 einstürzten. Die Geschädigten bekamen auf der anderen, höheren  Seite des Baches neue Hausplätze, wodurch sich das Dorf nach Süden und Westen ausdehnte. So kam es, dass die Kirche  - für ein Banater Dorf recht ungewöhnlich - am Dorfrand steht.

Die deutsche Gemeinde Groß-Scham von 1809 bis heute
Im neuen Dorf waren die  Lebensbedingungen schon besser, aber trotz wirtschaftlicher Fortschritte gab es noch immer große Schwierigkeiten zu überwinden. Es waren dies vor allem die großen Epidemien wie Cholera, Typhus und Sumpffieber, die die Bevölkerung heimsuchten. Die Kindersterblichkeit war sehr groß. Als Beispiel haben wir im Jahre 1814  126  Geburten und  86 Todesfälle, davon 45 unter 15 Jahren. Im Jahre 1836, das Jahr in dem die Cholera wieder auftauchte,  134  Geburten und 90 Todesfälle, davon  41 unter 20 Jahren und das allein in Groß-Scham, ohne Filialen. Die Mittel, die damals zur Verfügung standen, waren nicht dazu geeignet, so schwere Krankheiten zu bekämpfen. Später wurden die sanitären Einrichtungen verbessert: schon 1855 – 1863 gab es in Groß- Scham ein Spital mit 10 Betten. Der erste Arzt war Georg Ratschiller. Danach folgte die Zeit der Kreisärzte, so dass eine kontinuierliche ärztliche Versorgung gewährleistet war. Es war ein schwerer Anfang für unser Vorfahren und nur durch unermüdlichen Fleiß, einen ungebrochenen Willen zum Durchhalten und eine hohe Geburtenrate ist es gelungen ihr Ziel, hier ihr Leben und ihre Zukunft zu sichern, zu erreichen.
Durch die immer besser werdenden Lebensbedingungen  in Groß-Scham nach 1809  nahm die Zahl der Einwohner zu. Viele sind in den nachfolgenden Jahren aus anderen Banater Gemeinden zugewandert, auch sind viele durch Einheiraten nach Groß-Scham gekommen. So finden wir in den Kirchenbüchern Zuwanderung aus  Großsanktnikolaus, Bogarosch, Lenauheim, Bakowa, St. Andreas, Mercydorf, aber auch aus dem südlichen Banat wie  Werschetz, Zichydorf, Orawitz, Moritzfeld usw. So haben wir im Jahre 1820 bereits 1472, 10 Jahre später 1597 und dreißig Jahre später (in 1850)  2250 Einwohner. Die Zahl der Bewohner hat sich damit innerhalb der ersten vierzig Jahre fast verdreifacht! Entsprechend stieg auch die Zahl der Kinder.

Schulwesen
1822 wurde eine neue Schule gebaut, in der es bis 1835 nur eine Klasse und einen Lehrer gab. Sie wurde 1836 erweitert. Es war die große Schule -  die ältere Generation wird sich noch erinnern -, in der noch bis 1954 die Kinder unterrichtet wurden. Bis 1853 stieg die Zahl der Kinder auf 490. Alsbald wurden 3 Klassen eingerichtet und 1891 waren es schon 6 Klassen. Der Unterricht wurde in deutscher Sprache gehalten.
Erst 1867, als das Banat zu Ungarn kam, wurde in Groß-Scham Ungarisch als Unterrichtssprache eingeführt. Selbst in den Pausen sollten die Kinder ungarisch sprechen. Staatsangestellte mussten ihre Namen madjarisieren, so wurde aus Österreicher Ezsterhazi und aus Türk eben Török. Groß-Scham hieß ab da Nagy-Szam. Der verlorene Erste Weltkrieg setzte dieser Zwangsmadjarisierung  ein Ende. Nach 1918, schon in der rumänischen Zeit, gab es die Volksschule mit 7 Klassen. Die Namen der Lehrer,  die der älteren  Generation noch bekannt sein dürfte, sind Moise Mregea Direktorlehrer, Nikolaus Schütz aus Lovrin, Jakob Kirch aus St. Andreas, Josef Sonn aus Tschakowa, Herr und Frau Iorga, Christof Wottreng, Rosl Wild und Matthias Mischung. Nach dem  Ende des Krieges 1918, als Groß-Scham zu Rumänien kam, wurde wieder in deutscher Sprache unterrichtet. Doch schon in den Dreißigerjahren wurde die rumänische Sprache als Unterrichtssprache für die höheren Klassen eingeführt. Bis zur 4. Klasse wurde in deutscher Sprache unterrichtet. Erst durch die Übernahme des gesamten deutschen Schulwesens durch die Volksgruppe 1941, konnte in allen Klassen  wieder deutsch unterrichtet werden. Dann folgte 1944 die Kapitulation Rumäniens, und alle deutschen Schulen wurden geschlossen, die in unserem Dorf mit eingeschlossen. Die Kinder mussten in die rumänische Schule gehen. Die deutschen Lehrer wurden entlassen  Es war die Übergangszeit, in der sich in Rumänien das sozialistische Regime installierte. Vier Jahre sollte es dauern bis zur Schulreform. Dann wurde 1948 wieder eine deutsche Schule in Groß-Scham eröffnet. Der erste Lehrer war Sepp Lukhaub aus Deutsch-Bentschek.  Zuerst waren es vier Klassen, die dann aber auf  acht Klassen erweitert wurden. Direktor der Schule war Peter Palmann, als Lehrkräfte waren tätig Elsa Kämpfer, Hilde Mersdorf, Magdalena Issaffe, Magdalena Navrotzki, Käthe Willing u. a.  1955 wurde eine neue, größere und modernere Schule von unserem Meister Johann Utz gebaut. Auf der Höhe ihres Wirkens im Jahre 1953 hatte die Schule etwa 80 deutsche Schüler. Ab da wurden es immer weniger. Es war die Zeit der großen Industrialisierung in Rumänien. Die jungen Leute sahen in unserem Dorf keine Zukunft mehr und sind in die Stadt gezogen, hauptsächlich nach Reschitz und Bokschan.  Ende der sechziger Jahre gab es nur noch vier Klassen mit zwei Lehrkräften und nach 1970 gab es noch vier Klassen mit einer Lehrerin, Barbara Hassil (gestorben 2009 in München). Sie war die letzte deutsche Lehrerin in Groß-Scham.
           
Die Pfarrei                           
Im Jahre 1895 umfasste unser Dorf ein Areal von 12773 Joch. Davon gehörten der Herrschaft (heute nennt man sie Gutsbesitzer) 3071 Joch, zusammen mit Feld, Wald und Wiesen. Die Herrschaft, das war ab 1826 die Familie Karacsony. Der Enkel von Lazar Karacsony, Graf Guido 1817-1885, Sohn von Ludwig und dessen Frau Gräfin Starhemberg, setzte die Absicht seines Großvaters Lazar, den Bau einer neuen Kirche, in die Realität um. Die Pfarrei von Groß-Scham mit den dazugehörigen Filiale Perkos mit Butin und Klopodia mit Ferendia gehörten zum Dekanat Werschetz, von wo sie tatkräftig unterstützt wurden, aber auch kontrolliert wurden. 1836 wurde die neue Kirche in Groß-Scham der Heiligen Maria geweiht. In der Kirche unter der Kapelle auf der rechten Seite befindet sich die Grabstätte der Familie Karacsony. 1850 bekam die Kirche eine Orgel mit 18 Mutationen, von Meister Dangl in Arad gebaut. 1867 bekam die Kirche die 700 kg schwere Glocke, von der Firma Ehgartner in Temeswar  gegossen. Die Glocken wurden im 1. Weltkrieg eingeschmolzen, um daraus Kanonen zu gießen. Nach dem Krieg spendeten die in Amerika lebenden Landsleute eine neue 700 kg schwere Glocke, die heute noch neben drei anderen Glocken im Turm der Kirche ist. 1866 wurde die Turmuhr von Meister Spindler aus Dognatschka eingebaut. Eine neue, die heutige Uhr wurde 1913 eingebaut. Die Uhr ist zum jetzigen Zeitpunkt defekt und reparaturbedürftig. In den sechziger Jahren hat sich Pfarrer Josef Schulz (er wirkte in Groß-Scham von 1953-1978) sehr für unser Gotteshaus eingesetzt. Die Kirche wurde von innen und außen renoviert und repariert. Auf die Turmspitze kam ein neues Kreuz. Das alte von Meister Weinrauch geschmiedete Kreuz steht heute auf dem Grab von Pfarrer Georg Zemanovics. Die Kirche wurde elektrifiziert, ein elektrisches Läutwerk und ein elektrischer Antrieb für die Orgel wurden eingerichtet. Läutwerk und Orgel waren eine Spende der in Deutschland lebenden Landsleute. Behilflich war dabei unser ehemaliger Lehrer Nikolaus Schütz. Die Seelsorger der Gemeinde, die uns noch bekannt sind, waren Anton Groß (1900-1915), Josef Misenko (1915-1952), Josef Schulz (1953-1978), Otto Höher (1978-1985), und als letzter und nur für kurze Zeit Franz Maiwurm.  Organist war in der Regel ein  Lehrer, unter anderen Peter Ströbl, Nikolaus Schütz, Christoph Wottreng, Matthias Mischung und Jakob Kirch. Als Letzte war Anna (Anci) Mayer Organistin und Leiterin des Kirchenchores, nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrer Ausreise 1989.
Heute leben in Groß-Scham noch etwa 20 Deutsche und vielleicht ebensoviele Ungarn, einige rumänische Katholiken sind zugezogen. Einen Priester gibt es nicht mehr. Die Pfarrei gehört zu Gataja. Von innen macht die Kirche einen guten Eindruck, von außen wäre eine Generalüberholung fällig. Derzeit wird das Dach der Sakristei repariert und am Glockenstuhl wurden Reparaturarbeiten durchgeführt, da die große Glocke abzustürzen drohte.

Wirtschaft
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Zeit des Aufschwungs, des wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Fortschritts. Zwar gab es in dieser Zeit auch noch manchen Rückschlag, der nur schwer zu meistern war, aber durch große Anstrengungen, Ausdauer und Fleiß konnte man auch diese Zeiten überwinden.
Es war im Jahre 1866, als unser Dorf von der großen Dürre geplagt wurde. Kein Tropfen Regen fiel, alles verbrannte und verdorrte. Die Ernte blieb aus, es gab keine Nahrung für Mensch und Tier. Die Leute mussten ihr Vieh notschlachten, weil kein Futter vorhanden war. Die Bauern aus unserem Dorf fuhren z. T. mit den Pferden bis nach Rumänien, um in der Umgebung von Turnu Severin für Futter und Getreide zu arbeiten.
Ebenso katastrophal war die Vernichtung der Weingärten durch die Reblaus, der in den Jahren 1884 – 1895 mehr als 400 Joch Weingarten zum Opfer fielen. Durch die Einführung der amerikanischen Rebe als Unterlage wurde diese Gefahr beseitigt und es wurden wieder neue Weingärten gepflanzt, so dass die Weingartenfläche vor dem 2. Weltkrieg auf 700 Joch angewachsen war. Die wichtigsten Rebsorten in Groß-Scham waren Gutedel, Greatzer, Ungarische und schwarze und weiße Hotteler (Othello). Der Wein hatte einen ganz entscheidenden Anteil am Wohlstand der Gemeinde. Der Wein von Groß-Scham war sehr begehrt und wurde an die Wirtshäuser der umliegenden Dörfer aber auch in die Stadt geliefert und in Temeswar wurde noch „Vin din Jamu Mare“ verkauft, als es in Groß-Scham schon längst keine Weingärten mehr gab. Die Weingärten wurden nach 1944 Eigentum des Staatsbetriebes und wurden in den sechziger Jahren gerodet weil unrentabel.
1895 hatte unser Dorf etwa 9500 Joch Ackerland und 495 Joch Weingarten. Die Produktion von dieser Fläche, abzüglich des Eigenbedarfs, war – selbst bei den geringen Erträgen von damals - eine recht ansehnliche Menge. Dieses ganze Getreide musste mit den Pferdewägen etwa 70 km weit bis zum Hafen Pantschowa gefahren werden, und zwar dann, wenn das Schiff bereit stand. Diese widrigen Umstände entfielen mit dem Bau der Eisenbahnlinie 1896.
Der Bau der Ungarische Südostbahn war im wirtschaftlichen Leben der Gemeinde Groß-Scham das zentrale Ereignis und seine Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Strecke führte von Werschetz über Groß-Scham, Lugosch bis Ilia. Betrug die Frachtmenge fünf Jahre nach Inbetriebnahme der Bahn noch 4300 Tonnen so waren es zwölf Jahre nach Inbetriebnahme bereits 10 000 Tonnen und man zählte ca. 16 000 Bahnreisende.
Mit der stetig wachsenden Wirtschaft ging eben auch der technische Fortschritt einher. Am 1. Mai 1859 wurde das erste Postamt in der Postgasse Nr. 118 eingerichtet, dessen erster Postmeister Josef Platt war. Im Jahre 1884 wurde eine Telegraphenverbindung hergestellt und das Telefon wurde 1900 eingeführt.
Durch die Zunahme der Bevölkerung und den damit verbundenen wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln aus Getreide, ergab sich die Notwendigkeit einer Mühle. Und es wurden gleich drei Dampfmühlen gebaut, mit einer Gesammtkapazität von 1400 Tonnen, was für Groß-Scham eindeutig überdimensioniert war. Geblieben sind zwei Mühlen: Die Mühle der Familien Rohr und Platt, deren letzte Besitzer die Familien Alexius und Christmann waren. Diese Mühlenanlage wurde nach 1944 abmontiert und in die Moldova verfrachtet. Das Gebäude wurde dem Verfall preisgegeben. Die zweite Mühle konnte auch nicht überleben. Ihre Eigentümer, die Familie Lauritz, die neben der Mühle noch eine Schlosserwerkstatt betrieben, beschlossen daher, die Mühle aufzugeben und ein Elektrizitätswerk zu gründen. Der Plan wurde von dem Unternehmen AEG Berlin ausgearbeitet und so kam unsere Gemeinde 1928 zum elektrischen Strom. 20 km Kupferdraht versorgten 250 Haushalte und 175 Straßenlaternen mit Strom.
Der wachsende Wohlstand hat sich auch im Erscheinungsbild des Dorfes widerspiegelt. Das Dorf wurde größer, es wurden neue, große Häuser, mit drei und vier Zimmern an der Straßenseite gebaut. Die Gehsteige wurden mit Bruchsteinen gepflastert, die man aus dem Steinbruch in Kleinsrediste brachte. Diese Steine dienten auch als Fundament für die Häuser.
1903 wurde das Gemeindehaus nach Plänen der Baumeister J.Stark und O. Kullich aus Werschetz gebaut. Es ist ein schönes, großes Gebäude in der Hauptstraße (der Bratgass). Hier in der Nachbarschaft haben sich die Kaufleute niedergelassen, und da stand auch das große Wirtshaus, wo der große Ulaker lange Zeit hing, der unseren Landsleuten den Spitznamen „Groß-Schamer Ulaker“ brachte. Ebenso befanden sich auf diesem Platz die Schule, das Pfarrhaus und die Kirche. Vor der Kirche und dem Pfarrhaus war ein freier Platz mit einer Kapelle und dem Kriegerdenkmal.
Unverzichtbarer Bestandteil einer gut gehenden Wirtschaft sind auch die Banken und Genossenschaften. Die erste Raiffeisenbank des Banats wurde 1898 in Groß-Scham gegründet. Ihr erster Direktor war Franz Thierjung. Eine zweite Bank, das „Economia Kreditinstitut“ wurde 1933 gegründet. Die Gründung dieser Bank war eine Folge der politischen Differenzen zwischen der Volkspartei und der Volksgemeinschaft. Leiter dieser Bank war Josef Wingert. Von besonderer Bedeutung in der Beschaffung von Saatgut, Maschinen und Zuchttieren waren die Genossenschaften, deren es in unserem Dorf gleich zwei gab. Es war dies die Erzeugergenossenschaft, gegründet 1934, und die Winzergenossenschaft, gegründet 1933. Beide Institutionen wurden 1936 zu einer Genossenschaft vereinigt. Beachtlich waren die Bemühungen und der Erfolg der Genossenschaft bei der Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. 1869 bekam unsere Gemeinde das Marktrecht. Der Wochenmarkt war immer am samstags, gegenüber dem Gemeindehaus. Die Jahrmärkte fanden im Frühjahr und im Herbst dort, wo heute der Fußballplatz ist, statt. Zur Freude der Kinder war zum „Großen Markt“ schulfrei. Für die wirtschaftlichen Leistungen  unserer Gemeinde wurden sowohl unserer Gemeinde als auch einzelnen Landwirten hohe Auszeichnungen verliehen. So bekam beispielsweise bei der Ausstellung im September 1902 in Werschetz Groß-Scham die höchste Auszeichnung, das Ehrendiplom. Bei der Ausstellung 1909 in Groß-Scham und 1910 in Temeswar bekamen unsere Landwirte ebenfalls Auszeichnungen und Medaillen.
Eine wichtige Rolle im Leben der Menschen unseres Dorfes spielte die Stadt Werschetz. Hier ging man in die Lehre und auf das Gymnasium. Hier wurde gekauft und verkauft, nach  Werschetz ging man mit der Prozession. Hier waren der Stuhlrichter, der Schulinspektor und der Dechantpfarrer. Mancher unserer Persönlichkeiten hat hier seine schulische Laufbahn begonnen. Werschetz war unsere Patenstadt.  
In seinem Buch über Groß-Scham schreibt Felix Milleker im Jahre 1909 anlässlich der Hundertjahrfeier seit der Übersiedlung : „Groß-Scham ist heute die bedeutendste Gemeinde im Stuhlbezirk Werschetz. Pietätvollen Herzens gedenken die Nachkommen ihrer Voreltern und in Liebe gedenken sie auch ihres Heimatortes und des Landes dessen gesegneter Boden ihnen den von ihren Ahnen erhofften Wohlstand geboten hat, den zu verdienen sie sich übrigens auch durch ihre Arbeitsamkeit, Fleiß, Vaterlandliebe- und Friedensliebe bestrebt haben.“ Als Milleker dies schrieb, standen bereits die Gewitterwolken über der Donaumonarchie und es rumorte in ganz Europa. Der Friede hielt gerade noch fünf Jahre, da brach der erste Weltkrieg aus. Es wurde mobil gemacht und die jungen Männer mussten in den Krieg. Dann kamen Abgaben, Kriegssteuern und Kriegsanleihen, die die Wirtschaft schwer belasteten. Unsere Gemeinde hatte 1918 80 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Der Krieg war verloren, Österreich-Ungarn wurde zerschlagen, die Grenzen neu gezogen, das Banat geteilt. So kam unser Dorf zu Serbien. Sechs Jahre später kam Groß-Scham nach einer Grenzberichtigung zu Rumänien. Unser Dorf lag nun am südwestlichen Rande Rumäniens, wurde zur Eisenbahnendstation, und die Wirtschaft musste sich umorientieren, und zwar ins Landesinnere. Als die Wirtschaft wieder in Schwung kam und die Wunden der Vergangenheit zu heilen begannen, zeigte sich am Horizont schon die nächste Katastrophe: Es war die Weltwirtschaftskrise von 1929-1930. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse fielen ins Bodenlose und davon betroffen waren alle: die Bauern sowieso, aber auch die Kaufleute, die Landarbeiter und die Handwerker.  Abgesehen von der Wirtschaftskrise, kann man die Zwischenkriegszeit, die von Produktivität und Fortschritt geprägt war, als den wirtschaftlichen Höhepunkt in der Geschichte von Groß-Scham, betrachten. In dieser Zeit wurden die neuesten Landwirtschaftsmaschinen und Traktoren gekauft. Die Erzeugnisse wie Getreide, Mastvieh und Wein waren sehr begehrt, der Export nach Deutschland wuchs von Jahr zu Jahr.

Kulturelles Leben
Die Verbesserung der Lebensbedingungen und der wirtschaftliche Aufschwung weckten auch das Bedürfnis nach kulturellem und gesellschaftlichem Leben. Es wurden Feste gefeiert, Hochzeiten, Kirchweihfeste und - je nach Jahreszeit - ein Faschingsball, ein Kathreinerball, das Weinlesefest, aber auch der Feuerwehrball durfte nicht fehlen. Dazu gab es in der Gemeinde vor 1918 die Gasthäuser Rohr, Glaser und das große Gemeindewirtshaus. In den zwanziger Jahren waren es die Gasthäuser Winter und Nachram mit großen Tanzsälen und das Gasthaus Kämpfer, wo die Musikkapellen zum Tanz aufspielten. Leiter der Musikkapellen waren Matthias Stepp, der nach Amerika auswanderte, und danach Lorenz Kerling. Gleichzeitig gab es noch die Knabenkapelle, 1930 gegründet und geleitet von Georg Streng aus Lovrin. Das Majegehen und das Feiern der Namenstage gehörten auch zur Geselligkeit, ebenso das traditionelle Feiern kirchlicher Feste wie Dreikönig, Ostern, Fronleichnam etc.
Das kulturelle Leben spielte sich hauptsächlich in den Vereinen ab. Der erste Verein, der in Groß-Scham gegründet wurde, war der Leseverein, 1867. Zu erwähnen wäre hier die Abend- und Sonntagsschule, die den jungen Leuten half, die deutsche Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. 1888 wurde der Feuerwehrverein gegründet und dieser  wurde von der ganzen Gemeinde unterstützt. 1913 fand die Fahnenweihe statt, Fahnenmutter war Margarethe Mayer. Die Feuerwehr war für die damalige Zeit gut ausgerüstet: Vor dem Gemeindehaus gab es einen großen Brunnen (1906 errichtet, heute zugelegt) mit einer Zisterne von 2 Waggon Wasser, mit drei Ablaufrohren, der von der Firma Lauritz elektrifiziert wurde und immer bereit war Wasser zu liefern. Die Feuerwehr war der einzige Verein, der alle politischen und Kriegswirren überstanden hat. Der letzte deutsche Kommandant war Stefan Lösch.
Da gab es dann noch den Bauernverein, gegründet 1894, der die Interessen der Bauern vertrat. Dessen Fahne wurde  1909 geweiht, Fahnenmutter war Maria Hubert, Präsident war Heinrich Platt. Andere Vereine waren der Frauenverein, der Rosenkranzverein, der Kirchenmilizverein (Schützenverein), der Jagdverein, der Jugendverein, der Gewerbeverein, der die Interessen verschiedener Berufszweige vertrat, angefangen vom Schmied, Schneider, Schuster, Kaufmann, Tischler, Maurer, Zimmermann, Friseur, Kerzenzieher, Kammmacher bis zum Seiler und Sattler. Dieser Verein wurde im Jahre 1875 gegründet, der erste Vorsitzende war Josef Wingert. 1909, zur 100-Jahrfeier der Übersiedlung von Freudenthal nach Groß-Scham, erhielt der Verein eine Fahne, Fahnenmutter war Katharina Parsche. Ein besonderes Anliegen des Vereins war die Gründung der Lehrlingsschule.
Ein besonderer Verdienst im kulturellen Leben unserer Gemeinde kommt den beiden Gesangsvereinen zu, dem Männergesangsverein und dem Lyra Musik- und Gesangsverein (kurz: Lyra). Den Männergesangsverein gab es seit 1892, er wurde geleitet von Franz Kern. 1932, zum 40-jährigen Jubiläum, bekam der Verein eine Fahne. Die Fahnenmutter (bei uns Fahnengodel) war Elisabeth Fischer, der damalige Leiter war Lehrer Schütz aus Lovrin, der in Groß-Scham verheiratet war, Präses war Peter Kämpfer. Die Lyra wurde 1930 von Lehrer Peter Ströbl als gemischter Chor mit Orchester gegründet. Fünf Jahre später wurde ihre Fahne geweiht, Fahnenmutter war Anna Christmann, Präses war Peter Christmann senior. Die beiden Vereine haben mit ihren künstlerischen Aufführungen wie Liedertafeln, Theaterstücken, Operetten und anderen Darbietungen das kulturelle Leben in unserer Gemeinde wesentlich bereichert und waren weit über die Grenzen unseres Dorfes bekannt.

Kriegs- und Nachkriegszeit
Die Zeit der Prosperität war aber leider nur kurz bemessen. Schon 1939 brach der  2.Weltkrieg aus. 1941: das Königreich Rumänien zog an der Seite Deutschlands in den Krieg gegen die Sowjetunion. Die jungen Männer aus Groß-Scham wurden zum Kriegsdienst einberufen. Durch die Abmachung zwischen Deutschland und Rumänien wurden alle deutschen Männer der Jahrgänge 1908-1925 in die deutsche Wehrmacht übernommen. Dieser Krieg forderte unter unseren jungen Männern 83 Gefallene und Vermisste, davon 7 in der rumänischen Armee. Am 23. August 1944 hat Rumänien kapituliert, die russischen Truppen strömten ins Land und verbreiteten Angst und Schrecken unter der deutschen Bevölkerung, nicht nur in unserem Dorf sondern in ganz Banat. Unsere Leute mussten sich entscheiden, ob sie fliehen oder bleiben wollten. Die Sommerernte war  eingebracht und es war eine Rekordernte. Mais und Weingärten versprachen ebenfalls gute Erträge. Manche konnten sich  nicht trennen, andere waren entschlossen, alles liegen zu lassen und sich in Sicherheit zu bringen. Die Nähe zur Grenze war diesmal von Vorteil. Aus Groß-Scham haben sich 930 Personen auf den Weg nach Deutschland begeben, 12 von ihnen sind auf der Flucht gestorben, 327 Personen sind 1945 wieder in unser Heimatdorf zurückgekehrt. Währenddessen war hier bereits  das kommunistische System installiert. Dies  war der Anfang vom Niedergang des wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in unserer Heimatgemeinde. Es war wie im restlichen Banat auch die Zeit der Repressalien, der Schikanen und Verfolgungen. Die Deutschen wurden entrechtet und enteignet. Die von der Flucht Zurückgekehrten konnten nicht in ihre Häuser, die inzwischen von Rumänen bewohnt waren. Die deutsche Schule wurde geschlossen, wirtschaftliche Einrichtungen wurden ohne Entschädigung verstaatlicht. Eine Kommission, gebildet aus der neuen Arbeiterklasse, ging von Haus zu Haus und bestimmte, was jeder abgeben musste. Grundsätzlich  wurden alle Wirtschaftsgeräte, Pferde und Wagen weggenommen. Arbeitsfähige Männer und Frauen mussten ins Lager und Zwangsarbeit leisten. Dann kam im Januar 1945 die Verschleppung in die Sowjetunion: 66 junge Menschen aus unserem Dorf wurden deportiert und konnten erst nach jahrelanger Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen wieder nach Hause. Ruhe und Frieden waren noch nicht eingekehrt, da kam schon die nächste Katastrophe, die Verschleppung in die Baragansteppe. Über 100 Personen, neben Schwaben auch Rumänen, Zigeuner und Bessaraber, wurden verschleppt. Unweit des Dorfes Perietii, auf einem freien Feld, wurden unsere Landsleute mit ihren Habseligkeiten abgesetzt, wo sie bis zur Fertigstellung ihrer selbst gestampften Häuser in Erdbunkern hausen mussten und 5 Jahre unter unwirtlichsten Bedingungen leben mussten. Aus den Feldern der Deutschen in Groß-Scham wurde die Staatliche Landwirtschaft gebildet, aus den Feldern der Rumänen später die Kollektivwirtschaft. Das war zumindest eine Möglichkeit, in Groß-Scham Arbeit zu finden. 1948 nach der Schulreform gab es in Groß-Scham wieder eine deutsche Schule, auch die beiden deutschen Tageszeitungen konnte man beziehen.
Später verließen die jungen Menschen das Dorf, um im Zuge der Industrialisierung in der Stadt eine bessere Zukunft zu finden. Die vielfach zerrissenen Familien, die hinlänglich bekannten mangelhaften Lebensbedingungen sowie die Beschränkung der Freiheiten, die mit der Festigung des kommunistischen Systems einhergingen, ließen bei allen Bevölkerungsgruppen immer mehr die Frage nach der Zukunft aufkommen. Für uns Schwaben hieß die Antwort: Auswandern nach Deutschland. Erst nach der Abmachung zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem Präsidenten Ceausescu 1977 durften unsere Landsleute nach und nach das Dorf verlassen. Offiziell hieß es „Familienzusammenführung“, war aber in Wirklichkeit ein Geschäft, ein regelrechter Menschenhandel. Vielen gelang es aber erst nach der Wende 1990 nach Deutschland zu kommen. Obwohl sich die Groß-Schamer gut integriert haben, pflegen viele von uns weiterhin die Kontakte zu den Landsleuten aus der alten Heimat. Man ist aktiv in der HOG oder in den Kreisverbänden der Banater Schwaben und trifft sich regelmäßig, sei es im privaten Rahmen oder eben organisiert beim Treffen der HOG in Göppingen oder in Ulm. Viele pflegen freundschaftlichen Kontakt zu Rumänen oder Ungarn in Groß-Scham. Manch einer gibt die Geschichte seiner Herkunft an Kinder und Enkelkinder weiter, besucht mit ihnen vielleicht sogar die alte Heimat.
Im Jahre 1940 lebten in Groß-Scham 2540 Deutsche, heute sind es vielleicht noch 20 bis 25. Die Geschichte der deutschen Bevölkerung in Groß-Scham wird bald ein Ende finden.
Auch für das deutsche Groß-Scham gilt eben: sic transit gloria mundi.

             Johann Mayer